Khamis, 20 September 2012

Abnehmen bei Adipositas und Gelenkbeschwerden

In unserem Adipositasschwerpunkt der Klinik ist es ein häufiges Problem : Patienten mit deutlichem Übergewicht haben häufig Arthrose in den Knien und den Hüften. Neben dem natürlich zunehmendem Alter ist Übergewicht der Hauptrisikofaktor für den Gelenkverschleiss. Und die dadurch bedingten Schmerzen verhindern bzw. behindern die Bewegung. Was zu Inaktivität und damit einerseits zu noch mehr Schmerzen, andererseits aber eben auch ein Problem beim Abnehmen bedeutet. Immer wieder haben wir dabei auch Patientinnen und Patienten mit morbider Adipositas, die eigentlich ein neues Hüftgelenk oder Kniegelenk bräuchten. Die hierfür notwendige Operation wird aber an die Bedingung geknüpft, dass zunächst eine Gewichtsabnahme erfolgt.  Neben dem erhöhten gesundheitlichen Risiko bei Operationen bzw. postoperativ durch Thrombosen und Embolie liegt es ganz pragmatisch häufig daran, dass die Kliniken gar nicht auf so "schwere" Patienten eingestellt sind. Das ändert sich glücklicherweise derzeit. Aber eben nur langsam.

Abnehmen bei Adipositas wird eben nur funktionieren, wenn die Ernährung entsprechend umgestellt und ausreichend Bewegung im Alltag gesichert ist. Ein neues Merkblatt gibt eine Ratschläge für diese ja doch sehr häufige Zwickmühle in der Adipositastherapie.

Einige Chirurgen oder Orthopäden sagen schlicht : Nehmen sie ab, dann haben sie weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit. Aber das ist leichter gesagt als getan und selbst könnten die Herren (oder Damen) Chirurgen eben das bei sich auch nicht umsetzen

So empfehlen die Autoren, dass ein moderates Bewegungsprogramm beispielsweise mit Wasseranwendungen wie Aquajogging, Nordic-Walking oder ggf. Fahrradergometer bevorzugt wird.

Noch wichtiger ist es aber, Beweglichkeit im Alltag wieder herzustellen. Bei uns wird dies in einem 6-Minuten-Gehtest bei schweren Formen der Adipositas geprüft. Die zurückgelegte Wegstrecke in 6 Minuten ist dabei ein Mass für den Therapieerfolg. Häufiger mal wieder kürzere Wegstrecken gehen können hilft ungemein bei der Abnahme.

Isnin, 17 September 2012

Ist Paracetamol bei Kopfschmerzen unbedenklich ?

Frei verkäufliche Schmerzmedikamente sind in den vergangenen Monaten in die Kritik gekommen. Hintergrund ist u.a. die Erfahrung, dass Kopfschmerztabletten eine der häufigsten Ursachen von Kopfschmerzen sind. Was für den Laien paradox klingt ist eine bittere Wahrheit. Der sog. analgetika-induzierte Kopfschmerz ist neben Spannungskopfschmerzen häufig und gefährlich. So werden eben u.a. Nieren- und speziell für den Wirkstoff Paracetamol (z.B. in Benuron) Leberschädigungen diskutiert.

Zweifelos können bei höherer Menge von Paracetamol diese Gefahren auftreten. Das lernt jeder Medizinstudent und sollte bei den heute praktizierenden Ärzten Allgemeinwissen sein. Eine aktuelle Klarstellung des BfArM, das in Deutschland für die Bewertung der Sicherheit von Arzneimitteln zuständig ist, kommt aber zu dem Ergebnis, dass in therapeutischen Mengen Paracetamol unbedenklich ist und eben keine Gesundheitsgefahren zu erwarten sind. Paracetamol ist also wissenschaftlich erwiesen als Schmerzmittel wirksam und sicher.

Allerdings sollte es eben nur bei ärztlicher Indikation eingenommen werden. Zur Selbstmedikation bei Kopfschmerzen ist es wirklich nur gelegentlich geeignet. Gelegentlich hört da auf, wo man mehrmals im Monat (schlimmstenfalls an mehr als der Hälfte der Tage eines Monats) zu Kopfschmerztabletten greift.
Hier gehört dann ein Schmerztherapeut bzw. ein Arzt mit Fachkenntnis im Bereich Schmerzmedizin konsultiert.

Neue Methoden der Brustkrebs-Früherkennung mit MR - Mammographie

Ist eine wirksame Brustkrebs-Vorsorge auch eine Frage des Geldbeutels bzw des Versichertenstatus ?

Während bisher neben der körperlichen Untersuchung (Abtasten der Brust) die Ultraschalluntersuchung der weiblichen Brust und dann eine sog. "konventionelle" Mammographie mit Röntgenstrahlen zur Suche nach auffälligen Veränderungen wie "Mikrokalk" verwendet wurde, kommt mit moderneren Kernspintromographen jetzt eine strahlungsfreie Untersuchungsmethode zum Screening, d.h. Früherkennung von Brustkrebs in hochspezialisierten Einrichtungen zunehmend auf.

Die MR-Mammographie (MRM) erweist sich in den bisher vorliegenden Studien bereits ab einer Tumorgrösse von 3 mm als sichere Aussagequelle und damit weit genauer als die bisher gebräuliche Mammographie. Dies zumindest wird auf einem akutellen MRM-Kongress in Jena jetzt vorgestellt.

Das Problem : Nur wenige Universitätszentren und einige sehr aktuell eingerichtete Radiologie-Praxen haben die hierfür erforderlichen Geräte der neuesten Generation. Und häufig werden mit Hinweis auf den Kosten-Nutzen-Aufwand diese Untersuchungen eben von den Gesetzlichen Kassen nicht übernommen.

Ob nun die MR-Mammographie sich als wirksames Screening-Verfahren wirklich durchsetzt, bleibt abzuwarten. Hier spielt ja nicht nur die Qualität der Geräte, sondern auch die der Untersucher eine Rolle. Nachteile und Vorteile des Verfahrens finde ich hier gut zusammengestellt.

Schlafapnoe-Syndrom häufig bei Frauen ?

Es gibt immer wieder Wissenschaftsnachrichten, die mich überraschen.

Das Schlaf-Apnoe-Syndrom ist mir eigentlich recht vertraut. Allgemein hält sich das Vorurteil, das Atemaussetzer in der Nacht mit sog. Apnoe-Phasen (in denen das Gehirn keinen Sauerstoff bekommt bzw. der Sauerstoffgehalt im Blut absinkt) beim sog. obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom ein "Männer-Problem" sind. Lautes Schnarchen (ich meine sehr lautes Schnarchen) zusammen mit den typischen längere als 30 Sek anhaltenden Phasen des "Atemstilltands" und einer anschliessenden Arousal-Symptomati, bei denen die Betroffenen sehr laut quasi "Stöhnen" bzw. wieder Luft bekommen, sind typisch. Leitsymptom dieser Störung sind ständige Müdigkeit und Erschöpfung, so dass fälschlich auch lange an ein Burnout-Syndrom gedacht wird.

Relevant ist das Schlaf-Apnoe-Syndrom als Schlafstörung vor allem aber deshalb, weil es gehäuft mit Blutdruckproblemen, Herzrhythmussstörungen und eben auch Schlaganfällen bzw. Herzkreislaufproblemen einher geht. Auch sexuelle Probleme sind häufig. Daher sollten Hausärzte eben auch bei Orgasmusproblemen bzw. Erektionsstörungen mal an diese Schlafstörung denken.

Eine aktuelle Studie bei Frauen im Alter von 20-70 Jahren will jetzt bei 50 Prozent der 400 aus einer Stichprobe von 10000 Frauen gezogenen Probanden ein Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert haben. Besonders ab 50 Jahren sollte man an diese Schlafstörung denken. Bei immerhin  14 Prozent wurde ein schweres Schlaf-Apnoe-Syndrom mit einem sog. Apnoe-Index > 30 festgestetllt, wobei besonders "ältere" Frauen von 55 bis 70 Jahren betroffenen waren. Fast ein Drittel der Frauen mit Adipositas (hier ein Body-Mass-Index von über 30) hatten ein Schlaf-Apnoe-Syndrom in der entsprechenden Altersgruppe.

Khamis, 13 September 2012

Depressionen bei Frauen

Warum werden Frauen depressiv ? Gute Frage. Aber sicher keine einfache Antworten.

Neben einer familiären Veranlagung im Sinne einer genetischen Disposition spielen Lernerfahrungen und eben auch soziale Erwartungen eine grosse Rolle.

Die Welt bezieht sich jetzt auf eine Bucherscheinung von Ursula Nuber und suggieren, dass Frauen mehr leiden an Depressionen als Männer. Sind nun Frauen aufgrund ihrer Persönlichkeit eher anfällig zur Melancholie ? Führt nun ein "Nestbautrieb" nun der Wunsch nach Geborgenheit und "trautem Heim" mit übermässigen Antennen für die Bedürfnisse von Partner und Kindern dazu, dass eigene Bedürfnisse hinten an gestellt werden. Ist also Frau nur dann innerlich komplett, wenn sie für ANDERE sich aufopert ?

Mir fällt es immer schwer, solche monokausalen Erklärungen für eine vielfältige Problematik anzunehmen. Natürlich ist es angesichts der häufigen Doppelbelastungen von Familie und Beruf für die berufstätige Frau schwierig, an sich zu denken. Als Psychotherpaeut in einer Klinik für Essstörungen fallen mir aber gerade die sensiblen Mädchen bzw. jungen Frauen auf, die noch gar nicht Familie haben. Hier ist es zu einfach, Depressionen so zu erklären.

Häufig erleben sie gerade vielfarbige Gefühlswelten, die man schlecht in Worte fassen kann. Sie erleben sich als kompliziert, weil sie eben gerade Gefühle nicht in Worte fassen können. Sich nicht mit anderen über ihre Lebendigkeit und Sensibilität unterhalten bzw. austauschen können. Die Gefühle sind anfänglich zu intensiv, die Wahrnehmung der Gefühle von Anderen wie "seelischer Sondermüll" oder Lärm.

Depressionen oder auch Essstörungen sind dann eher eine Art "Höhle" oder Schutz, sich gegen diese Emotionalität bzw. Verletzbarkeit zu schützen. Anfänglich ist es ein angenehmer Schutz. Doch irgendwann kommt man selbstbestimmt offenbar nicht mehr so leicht wieder raus.


Selasa, 11 September 2012

Schlafstörungen und verschobene Tag-Nacht-Rhythmik

Ein- und Durchschlafstörungen werden zur Volkskrankheit. Schlafstörungen Schlafstörungen können nun sehr unterschiedliche Ursachen haben. In der Welt (online) geht es dabei einmal mehr um die neuen Energiesparlampen und den Blaulichtanteil in diesem Lichtspektrum, die zu Schlafstörungen führen sollen. Schön und gut. Nach meiner klinischen Erfahrung kann zu viel Licht bei entsprechend veranlagten Personen tatsächlich zu Schlafstörungen führen. Wobei es dann nicht nur die Energiesparlampen sondern eher der Fernseher, der Monitor oder (bei mir) eine Tageslichtlampe im Büro ist.

Das Licht unterdrückt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Einige Menschen haben da eh schon Schwierigkeiten einen normalen Rhythmus zu finden. Draussen an der frischen Luft (und hoffentlich Sonne) spielen bzw. sich bewegen ist eine wirksame Hilfe. Regelmässige Mahlzeiten übrigens auch, da darüber auch die innere biologische Uhr synchronisiert wird.

Hilfreich können für die jetzt drohende "dunklere" Jahreszeit dann auch Lichttherapielampen sein, die man tagsüber nutzt. Oder eben ggf. auch Melatonin als Tabletten (z.B. Circadin als Retardform) bzw. das ähnlich wirkende Antidepressivum Valdoxan.

Bei ADHS-Patienten kann dies echt eine Wundermedizin gegen die Schlafprobleme sein. Und ich denke, dass auch viele Betroffene mit Depressionen bzw. Anpassungsstörungen das mal ausprobieren sollten...

Isnin, 10 September 2012

Depressionen und Suizidalität

In unserer heutigen Klinikbesprechung ging es u.a. um die mögliche Selbstmordgefährdung einer Patientin mit Depressionen und Essstörungen. Da las ich eine Meldung, dass alle 40 Sekunden ein Mensch (weltweit) an einem Suizid verstirbt. Zumeist Menschen über 65. Aber immer mehr junge Menschen wissen sich nicht anders einen Ausweg als mit dem Freitod. Womit ich nicht schreiben möchte, dass ein Suizid bei Senioren nun plausibler wäre.

Zunächst ist ja zu unterscheiden, ob der Klient mit seiner Problematik im Kontakt ist. Ob er (oder sie) eben darüber spricht. Sprechen kann, sich mitteilen und auch Gehör finden kann. Das wäre an sich schon einmal gut.

Schwieriger wird es, wenn es dann konkrete Pläne oder gar Vorbereitungen zum Freitod gibt. Bei unserer Patientin in der Form, dass sie in einem Brief drei Arten des Suizids näher diskutierte.

Offenbar ist bei ihr eher eine chronische Suizidalität gegeben, da sich schon in Vorkliniken so etwas abzeichnete. Also ein Phänomen, dass man u.a. bei Persönlichkeitsstörungen vom Borderline-Typus häufiger sieht. Was es aber nur unwesentlich harmloser macht. Aber immerhin prognostisch ein etwas besseres Zeichen.

Der Umgang mit Suizidalität ist nicht immer leicht. Auch wir stehen dann als psychosomatische Klinik vor der Frage, wann eine Verlegung  in eine Akutpsychiatrie erforderlich wird.

Klares Kriterium ist und bleibt die Frage, ob man soweit absprachefähig ist, dass wir am nächsten Tag noch weiter in der Therapie machen können. Im Zweifel dann lieber für die Verlegung ....